Keimlinge in Anzuchterde

Alles was du über Vorkultur wissen musst!

Was bedeutet Vorkultur oder Vorzucht?

Die Kulturpflanzenvielfalt, die wir heute in Europa kennen und lieben besteht aus den unterschiedlichsten Pflanzen. Viele heimische Arten sind ideal an unser Klima angepasst und wachsen auch in der Kälte im Freiland fröhlich vor sich hin. Viele andere Arten sind aber aus verschiedenen, oft wärmeren, Teilen der Welt zu uns gekommen oder durch lange Selektion und Züchtung etwas empfindlicher geworden.

Kulturpflanzen, die also vergleichsweise wärmebedürftig sind, oder einfach eine lange Keim- und Kulturdauer haben, bis sie geerntet werden können, benötigen eine Vorkultur. Eine Direktsaat im Freiland ist hier nicht zu empfehlen. Also können wir die Aussaat einfach nach innen vorverlegen, sei es am Fensterbrett, im Gewächshaus, Wintergarten oder an einem anderen geeigneten Ort im Haus. So gewinnen wir wertvolle Wochen, in denen wir den Jungpflanzen einen Wachstumsvorsprung geben können. So warten wir dann noch die letzten Spätfröste ab oder geben ihnen einfach genug Zeit, um ihre Früchte Ende des Sommers auszureifen. Mit einem Gewächshaus lässt sich außerdem besonders in sehr kühlen oder regnerischen Regionen ein ganz eigenes Mikroklima schaffen.

Bitte beachte: Pflanzen sind abhängig von den Bedingungen vor Ort, erkundigt euch über Klima und Besonderheiten eurer Region, tauscht euch in der Nachbarschaft und mit Gärtnereien aus. Verfolgt auch ein wenig den Wetterbericht, vor allem um nicht vom Frost überrascht zu werden.

Wie fange ich mit der Vorkultur an?

Als erstes musst du dir natürlich erstmal überlegen, was du gern anbauen willst. Unten findest du nach Monaten eine Auswahl der wichtigsten Gemüse und Kräuter, die du dann schon vorziehen kannst. Achte dabei darauf, dass die Keimtemperatur passt und du nicht zu viel, aber regelmäßig und behutsam gießt, das Saatgut darf nicht austrocknen. Ein heller Ort mit gleichmäßigen Bedingungen ist dafür optimal.

Du brauchst für deine Vorkultur folgendes:

  • Anzuchtschale mit Abdeckhaube
  • Anzuchterde (torffrei)
  • Saatgut
  • Wasser und Licht
  • optional: Handschaufel, Ballbrause, Pikierstab

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Eine Anzuchtschale mit Abdeckhaube hält Wärme und Feuchtigkeit und schafft optimale Bedingungen für die Keimung. Überschüssiges Wasser sollte dabei ablaufen können. Anzuchtschalen und Töpfe lassen sich auch wunderbar selbst basteln, z.B. aus Zeitungspapier, Dosen, Bechern oder anderen Verpackungen, ein passender Deckel lässt sich aus Glas, durchsichtigen Kunststoffschalen oder Frischhaltefolie recyclen.

Mit dem richtigen Equipment ausgestattet, kannst du dir überlegen wieviel Platz du für die Vorkultur und schließlich im Garten oder am Balkon hast. Aus den kleinen Samen werden in den Monaten bis zur Pflanzung schon stattliche Pflanzen. Besonders die wärmebedürftigen und frostempfindlichen Pflanzen können erst ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen ins Freiland wandern. Bis dahin brauchen deine grünen Mitbewohner also ihren Platz.

Da gerade bei der Keimung und bei den Jungpflanzen noch der eine oder andere Ausfall zu beklagen sein kann, solltest du eine kleine Reserve einplanen, wenn doch alle Pflänzchen überleben, kannst du die Überschüsse ja immer noch verschenken.

Wer vor der Aussaat noch auf Nummer sicher gehen will, kann die Anzuchterde sterilisieren. So können böse Überraschungen durch Pflanzenkrankheiten, Schimmel und Schädlinge, deren Eier in der Erde sein könnten, verhindert werden. Die Sterilisierung kann ganz einfach in der Mikrowelle oder im Backofen erfolgen. Dazu wird die Erde leicht befeuchtet und 10min auf höchster Stufe bzw. 30min bei 200°C erhitzt.

Jetzt ist es soweit: die Aussaat!

  • Befüllt eure Anzuchtschalen, Töpfe oder selbstgebastelten Gefäße bis zum Rand mit Anzuchterde und komprimiert die Erde leicht.
  • Verteilt das Saatgut gleichmäßig im Gefäß. Lichtkeimer nur oberflächlich säen und leicht andrücken, Dunkelkeimer können, je nach Angabe, tiefer in die Erde wandern.
  • Nun einfach alles gut angießen, am besten mit einer feinen Ballbrause oder einer Sprühflasche. Die Vorkultur darf jetzt nicht mehr austrocknen.
  • Kulturpflanzen, die nicht mehr pikiert oder umgetopft werden sollten, wie Kürbisgewächse, deren Wurzeln sehr empfindlich sind, brauchen dementsprechend gleich ein eigenes Töpfchen. Dazu gibt es auch Töpfe aus Pflanzenfasern, die direkt ins Beet mitgepflanzt werden können.

Wann ist die richtige Zeit für die Vorkultur?

Den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat der Vorkultur zu finden, hängt von mehreren Faktoren ab. Die unterschiedlichen Pflanzenarten und -sorten wachsen unterschiedlich schnell, ja nach Regionalklima, Wetter und Lage kommt es ebenfalls zu Unterschieden. Bei verfrühter Aussaat können die Jungpflanzen später schon zu groß sein für einen optimalen Start, dann spricht man von überständigen Pflanzen. Bei Lichtmangel vergeilen die Pflänzchen und sind mitunter zu schwach fürs Freiland. Zu späte Aussaat kann klarerweise dazu führen, dass die Pflänzchen einfach noch sehr klein sind und etwa die Ochsenherztomaten m Ende des Sommers noch grün sind.

Hier seht ihr also Empfehlungen wann welche Kulturpflanzen vorgezogen werden können…

ab Jänner

Wegen ihrer langen Kulturdauer und späten Fruchtreife sind z.B. Chili, Physalis und Tomatillo im Jänner an der Reihe, Keimtemperatur: 20-30°C.

Salat, Zwiebel und Lauch (Sommerernte), Kohlrabi, Spinat (auch Freiland), Gartenkresse fühlen sich alle bei etwa 20°C Keimtemperatur wohl und können sich so bei der Vorkultur einfach ein Fensterbrett teilen. Sie können schon früh ins Beet wandern und mehrmals pro Jahr angebaut werden.

ab Februar

Jetzt können alle Kohlgewächse, wie Brokkoli, Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Karfiol und Romanesco vorkultiviert werden. Ende des Monats können sich evtl. schon Tomate und Paprika dazugesellen, die beiden Arten wachsen aber auch noch im März in der Regel schnell genug.

ab März

Jetzt ist Hochbetrieb in der Vorzucht! Im März wird das meiste Fruchtgemüse in Vorkultur ausgesät, von Tomaten und Paprika bis zu Kürbis, Zucchini und Gurke. Außerdem ist jetzt auch die richtige Zeit für Artischocken und einige würzige Gemüsearten, darunter Fenchel, Sellerie, Schnittlauch, sowie Schnittknoblauch.

ab April

Nun können sich auch die Melonen zu den empfindlichen Kürbisgewächsen dazugesellen, sie brauchen es besonders warm. Auch Mais, Bohne und Sonnenblume stehen im April im Programm.


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